Vom experimentellen Wohn- und Bürogebäude NEST der Empa über Innovationsparks der ETH Zürich und der EPFL bis zum gemeinsamen Bau einer Grossforschungsanlage des PSI mit der Schweizer Industrie: Die Wissens- und Technologietransferaktivitäten im ETH-Bereich sind vielfältig.

Am experimentellen Gebäude NEST der Empa können ganze Wohn- und Arbeitseinheiten und sogar Stockwerke ausgetauscht werden (Bild: Designstudie von Gramazio & Kohler, Zürich).

«Die Stärke von NEST ist, dass es unseren Industriepartnern die Gelegenheit bietet, ihre Innovationen unter realen Bedingungen zu testen, zu evaluieren und zu optimieren», sagt Empa-Direktor Gian-Luca Bona über das experimentelle Gebäude NEST, das die ETH Zürich, die EPFL und die Eawag unter der Leitung der Empa realisieren. Es soll bis 2013 auf dem Gelände der Empa und der Eawag in Dübendorf entstehen.

Ein neues Stockwerk bitte

NEST wird als Wohn- und Bürogebäude genutzt werden. Es wird allerdings nicht wie andere Bauten unverändert an seinem Standort stehen: Dank flexiblen Modulen kann es sein Erscheinungsbild verändern. Fix gebaut ist nur eine Art zentrales Rückgrat für die tragenden Strukturen und die Gebäudetechnik. Ganze Wohn- und Arbeitseinheiten und sogar Stockwerke können ausgetauscht werden. Mit dieser Flexibilität bietet NEST ideale Voraussetzungen, um drängende Fragen in Bereichen wie Gebäudetechnik, Abwassermanagement, Energieeffizienz oder CO2-Ausstoss zu erforschen. Zudem können die Auswirkungen der Technologien auf die Benutzerinnen und Benutzer des Hauses direkt beobachtet werden.

Die Forschungsresultate kommen der Bauindustrie unmittelbar zugute: Sie kann ihre Innovationen testen und aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse weiterentwickeln. Der gesamtheitliche Ansatz von NEST ist für Unternehmen sämtlicher Zweige der Bauindustrie interessant. CO2-arme Baumaterialien können ebenso erprobt werden wie intelligente Fenster, Inneneinrichtungen oder Wiedergewinnungsanlagen für Abwasser. Der Industrie eröffnet sich damit die Chance, Innovationen rascher auf den Markt zu bringen und sich so Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Innovationspark an der EPFL

Der Technologietransfer ist im Grundauftrag des ETH-Bereichs verankert. Einen grossen Schritt zur Systematisierung des Technologietransfers hat die EPFL mit der Eröffnung des Quartier de l’innovation im Jahr 2010 gemacht. Der Innovationspark befindet sich im Aufbau, beherbergt aber bereits die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von internationalen und Schweizer Firmen wie Nestlé, Logitech, Debiopharm oder den Computerdienstleister Elca.

Um sich im Quartier de l’innovation einzumieten, müssen die Unternehmen eine wissenschaftliche Partnerschaft mit der EPFL abschliessen. Dadurch erhalten sie Zugang zu den Labors, den Kompetenzen der Forschenden und Studierenden sowie zu den Start-ups, die im Quartier de l’innovation angesiedelt sind. Für Christophe Villemin, Präsident von Global Aerospace, einer Einheit des Aluminiumherstellers Constellium (ehemals Alcan), ist dies ein einzigartiges Umfeld: «Der Austausch mit den Professorinnen und Professoren sowie den Labors der EPFL findet in einer offenen Atmosphäre statt. Dadurch sind wir kreativ und bei Innovationen risikofreudiger.»

Mit dem Innovation and Entrepreneurship Lab fördert auch die ETH Zürich den Technologietransfer sowie das Unternehmertum und die Innovationskraft in der Schweiz: Es bringt Jungunternehmende mit Studierenden, Forschenden und erfahrenen Industriepartnern, die als Coaches wirken, zusammen. Eine Kooperation besteht etwa mit dem Maschinen- und Metallindustrieverband Swissmem.

«Die offene Atmosphäre an der EPFL macht uns kreativ und bei Innovationen risikofreudiger.» Christophe Villemin, Präsident von Global Aerospace, einer Einheit von Constellium (ehemals Alcan)

Industrie an SwissFEL beteiligt

Das PSI plant zurzeit den Bau des Freie-Elektronen-Röntgenlasers SwissFEL. Dabei sind unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit mit der Industrie vorgesehen: Beispielsweise entwickelt das PSI das Know-how für die Fertigung hochpräziser Bauteile und beauftragt anschliessend Industriebetriebe mit der Serienproduktion. Die Betriebe werden vom PSI angelernt. Eine andere Form der Zusammenarbeit besteht darin, in gemeinsamen Forschungsprojekten mit der Industrie Hindernisse zu überwinden und neue Produkte zu entwickeln. In beiden Fällen profitieren die Industrieunternehmen von neuem Wissen für innovative Produkte, das sie nicht nur beim SwissFEL anwenden können; denn im Idealfall lässt sich daraus auch eine ganze Klasse neuer Anwendungen entwickeln. Der SwissFEL soll nicht nur mit und von der Industrie, sondern auch für die Industrie gebaut werden. Potenzielle industrielle Nutzer hat das PSI bereits identifiziert und nach ihren Bedürfnissen befragt. So werden sie – genau wie die Hochschulen – die fertige Anlage ab 2016 für ihre Forschung nutzen können.